Schloss austauschen: Anlässe, Ablauf, Kosten

Anlässe für einen Schlossaustausch

Es gibt mehrere Situationen, in denen sich der Austausch eines Schlosses oder Schließzylinders anbietet. In vielen Fällen reicht dabei der Tausch des Zylinders, das gesamte Schloss muss nur selten erneuert werden.

Verlorener oder gestohlener Schlüssel

Ist ein Schlüssel verloren gegangen oder gestohlen worden, lässt sich nicht ausschließen, dass ein Fremder damit die Tür öffnet. Wer sichergehen möchte, tauscht den Schließzylinder aus, danach passt der alte Schlüssel nicht mehr. Besonders naheliegend ist das, wenn zusammen mit dem Schlüssel auch Unterlagen mit der Anschrift abhandengekommen sind.

Nach einem Einbruch

Nach einem Einbruchversuch kann der Zylinder beschädigt sein, etwa durch Aufbohren oder durch den Versuch, ihn herauszuziehen. Ein beschädigter Zylinder schließt oft nicht mehr zuverlässig. Der Austausch ist dann zugleich die Gelegenheit, auf einen Zylinder mit höherer Widerstandsfähigkeit zu wechseln.

Einzug oder Mieterwechsel

Beim Einzug in eine Wohnung oder ein Haus ist meist nicht bekannt, wie viele Schlüssel im Umlauf sind und wer sie besitzt. Viele Menschen tauschen deshalb zu Beginn den Zylinder aus. Auch bei einem Mieterwechsel sorgt ein neuer Zylinder für einen klaren Schnitt.

Defekter oder verschlissener Zylinder

Ein Zylinder, der sich nur noch schwer drehen lässt oder bei dem der Schlüssel hakt und klemmt, ist verschlissen. Lässt sich die Ursache nicht durch Reinigen oder ein geeignetes Pflegemittel beheben, ist der Austausch die dauerhafte Lösung.

So läuft der Zylindertausch ab

Der Austausch eines Profilzylinders ist eine überschaubare Arbeit. Entscheidend ist, dass der neue Zylinder genau passt.

Ausmessen

Profilzylinder gibt es in vielen Längen. Gemessen wird von der Mitte der Stulpschraube, also der Schraube an der Türkante, jeweils nach innen und nach außen. Beide Maße zusammen ergeben die Zylinderlänge. Ein Zylinder, der zu weit übersteht, lässt sich leichter herausziehen und ist ein Sicherheitsrisiko. Die Polizei empfiehlt deshalb, dass der Zylinder nicht über den Beschlag hinausragt.

Normprofil

Der Profilzylinder ist ein genormtes Bauteil. Dadurch passt ein neuer Zylinder in das vorhandene Einsteckschloss, ohne dass die Tür oder das Schloss selbst verändert werden müssen. Das macht den Tausch weitgehend unabhängig vom Türmodell.

Der eigentliche Tausch

Ist der passende Zylinder beschafft, geht der Wechsel zügig. Die Stulpschraube wird gelöst, der alte Zylinder herausgezogen und der neue eingesetzt, danach wird die Schraube wieder festgezogen. Die reine Montage dauert in der Regel nur wenige Minuten.

Was der Austausch kostet

Beim Schlosstausch entstehen Materialkosten für den Zylinder und, wenn eine Fachkraft kommt, zusätzlich Arbeits- und Anfahrtskosten.

Materialkosten

Ein zuverlässiger Standardzylinder ist nicht teuer. Die Stiftung Warentest prüfte Schließzylinder und bewertete bereits ein Modell für rund 30 Euro als sehr zuverlässigen Schutz gegen Aufbohren und Herausziehen, der Testsieger kostete rund 77 Euro. Beauftragt man einen Schlüsseldienst mit dem Einbau, darf die Rechnung für das Material höher ausfallen. Nach der von der Stiftung Warentest genannten Verbandsempfehlung ist dafür ein Zuschlag von 36 Euro vorgesehen.

Warnung vor überhöhten Materialpreisen

Gerade beim Material setzen unseriöse Anbieter an. Die Stiftung Warentest dokumentierte Fälle, in denen für einen einfachen Zylinder mehrere Hundert Euro berechnet wurden. In einem Berliner Beispiel verlangte ein Monteur allein für das Material rund 500 Euro. Da ein guter Zylinder im Handel ab etwa 30 Euro zu haben ist, sind solche Beträge ein deutliches Warnzeichen.

Festpreis vorab vereinbaren

Die Verbraucherzentrale rät, vor der Auftragsvergabe einen verbindlichen Komplettpreis zu vereinbaren, der Anfahrt und Zuschläge bereits enthält. Als Orientierung nennt sie, dass das Öffnen einer Tür an einem Werktag 150 Euro nicht überschreiten sollte. Außerdem sollten Auftraggeber genau festlegen, was gemacht werden soll, damit nicht ungefragt das ganze Schloss gewechselt wird.

Mehr Sicherheit beim Nachrüsten

Ein Austausch ist der passende Zeitpunkt, um die Sicherheit zu verbessern. Die Polizeiliche Kriminalprävention nennt dafür klare Anhaltspunkte.

Empfohlen wird ein Profilzylinder nach DIN 18252 der Angriffswiderstandsklasse 1, besser der Klasse 2 mit Bohrschutz. Sitzt der Zylinder hinter einem Schutzbeschlag ohne Zylinderabdeckung, sollte er einen integrierten Ziehschutz haben, damit er nicht herausgezogen werden kann. Ergänzend empfiehlt die Polizei einen Schutzbeschlag nach DIN 18257 und ein einbruchhemmendes Einsteckschloss nach DIN 18251 der Klasse 4 oder 5. Schlösser mit Mehrfachverriegelung sind ab der Klasse 3 empfehlenswert.

Wichtig ist, dass die einzelnen Bauteile in ihrer Wirkung aufeinander abgestimmt und fachgerecht eingebaut sind. Ein hochwertiger Zylinder nützt wenig, wenn Beschlag und Schließblech nicht mithalten. Wer die gesamte Tür erneuert, achtet auf eine geprüfte einbruchhemmende Tür nach DIN EN 1627, mindestens der Widerstandsklasse RC 2.

Tauschen oder reparieren

Nicht jeder Defekt erfordert einen neuen Zylinder. Hakt der Schlüssel, hilft oft schon eine Reinigung mit einem geeigneten Pflegemittel. Auch eine klemmende Tür liegt häufig nicht am Zylinder, sondern an verzogenen Bändern oder einem schlecht sitzenden Schließblech, das sich nachstellen lässt.

Ein Austausch lohnt sich dagegen, wenn der Zylinder beschädigt ist, wenn ein Schlüssel verloren ging oder unklar ist, wer Zugang hat, und immer dann, wenn der alte Zylinder keinen zeitgemäßen Schutz mehr bietet. Ist man lediglich ausgesperrt, die Tür aber nur zugezogen oder von innen abgeschlossen, genügt in den meisten Fällen die reine Türöffnung. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass ein Auswechseln des ganzen Schlosses dabei meist nicht notwendig ist.

Quellen

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