Türen nachrüsten: Einbruchschutz ohne Umbau

Wer nach einem Einbruchversuch einen Schlüsseldienst ruft, steht oft vor der Frage, wie sich die beschädigte Tür dauerhaft besser sichern lässt. Viele Schlüsseldienste bieten die Nachrüstung selbst an. Dieser Ratgeber zeigt, mit welchen Mitteln sich eine vorhandene Haus- oder Wohnungstür verstärken lässt, ohne sie gleich auszutauschen, und woran sich die Polizei dabei orientiert.

Warum mechanischer Einbruchschutz zuerst kommt

Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes stellt mechanische Sicherungen an den Anfang jedes Sicherungskonzepts. Nach ihrer Aussage stehen mechanische Sicherungen, die sinnvoll aufeinander abgestimmt sind, an erster Stelle, um sich gegen Einbruch zu schützen. Elektronische Anlagen wie Alarmsysteme ergänzen diesen Schutz, ersetzen ihn aber nicht: Sie melden einen Einbruchversuch, halten den Täter aber nicht auf. Eine gut gesicherte Tür dagegen kostet Zeit, und viele Täter brechen einen Versuch ab, wenn sie nicht rasch hineinkommen.

Für die Nachrüstung gilt ein Grundsatz: Türblatt, Türrahmen, Türbänder, Schloss, Beschlag, Schließblech und Zusatzsicherung müssen in ihrer Wirkung aufeinander abgestimmt sein und fachgerecht eingebaut werden. Eine einzelne starke Komponente an einer sonst schwachen Tür bringt wenig. Erst das Zusammenspiel ergibt den Widerstand, auf den es ankommt, und erst der fachgerechte Einbau sorgt dafür, dass eine Sicherung ihre volle Wirkung entfaltet.

Nachrüstungen an der Tür ohne großen Umbau

Viele der folgenden Maßnahmen lassen sich an einer vorhandenen Tür anbringen, ohne das Türblatt oder den Rahmen auszutauschen.

Querriegelschloss und Panzerriegel

Ein Querriegelschloss, oft auch Panzerriegel genannt, sichert die Tür über die gesamte Breite und verteilt die Kraft eines Hebelangriffs auf beide Seiten des Rahmens, die Bandseite wie die Schlossseite. Die Polizei nennt es als wirkungsvolle Zusatzsicherung und hält fest: Ist ein Querriegelschloss angebracht, ist eine weitere Nachrüstung in der Regel nicht erforderlich. Wichtig ist, dass die Schließkästen fest im Mauerwerk verankert werden, der Riegel unterhalb des Hauptschlosses sitzt und der Zylinder mit mechanischem Schutz eingebaut ist.

Schließzylinder mit Anbohr- und Ziehschutz

Der Profilzylinder gehört zu den am häufigsten angegriffenen Stellen einer Tür. Die Polizei empfiehlt einen Profilzylinder nach DIN 18252 der Angriffswiderstandsklasse 1, besser 2, mit Bohrschutz. Er sollte bündig abschließen und nicht über den Beschlag hinausstehen, damit er sich nicht ziehen oder abbrechen lässt.

Schutzbeschlag mit Ziehschutz

Ein Schutzbeschlag nach DIN 18257 deckt den Zylinder ab und schützt ihn gegen Ziehen und Abbrechen. Empfohlen wird ein Beschlag mit zusätzlicher Zylinderabdeckung, damit der Zylinder von außen nicht gefasst werden kann. Schutzbeschlag und Zylinder gehören zusammen betrachtet, denn ein starker Zylinder hinter einem ungeschützten Beschlag bleibt angreifbar.

Mehrfachverriegelung

Eine Mehrfachverriegelung verschließt die Tür an mehreren Punkten gleichzeitig, meist zusätzlich oben und unten. Mehrfachverriegelungen nach DIN 18251 ab Klasse 3 verfügen über einen Riegelausschluss von mindestens 20 mm. Zusammen mit verlängerten Schließblechen erschwert das Verriegeln an mehreren Stellen das Aufhebeln erheblich.

Bandseitensicherung

Türen schlagen zur Bandseite hin auf, und diese Seite bleibt bei vielen Türen ungesichert. Gegen das Aufhebeln im Bandbereich schützen spezielle Bändersicherungen. Sie greifen bei geschlossener Tür in den Rahmen und halten das Türblatt auch dann, wenn die Scharniere beschädigt werden.

Ergänzend empfiehlt die Polizei verlängerte, mehrfach im Mauerwerk verankerte Schließbleche mit einer Materialstärke von 3 mm, die das Aufhebeln im Schlossbereich erschweren. Für das Einsteckschloss selbst werden die Klassen 4 oder 5 nach DIN 18251 genannt.

Normen und Widerstandsklassen

Zwei Normenkreise ordnen den Einbruchschutz an der Tür.

Für Nachrüstsysteme, also Zusatzschlösser und Sicherungen an einer vorhandenen Tür, gilt DIN 18104. Teil 1 beschreibt aufschraubbare Nachrüstprodukte, Teil 2 solche, die in den Falz der Tür eingelassen werden. Die Polizei empfiehlt Nachrüstsysteme nach DIN 18104 Teil 1 und Teil 2 und weist darauf hin, dass sie von einem Fachbetrieb eingebaut werden sollten, der in einem Errichterverzeichnis der Landeskriminalämter geführt wird.

Für komplette Türen, also Neu- und Umbauten, gilt DIN EN 1627 mit ihren Widerstandsklassen, abgekürzt RC für resistance class. Die Polizei empfiehlt Türen ab Widerstandsklasse RC 2 als Mindeststandard. RC 2 bietet nach ihrer Einschätzung einen guten Grundschutz gegen den Gelegenheitstäter, der mit einfachem Werkzeug wie Schraubendreher und Zange arbeitet.

Bei Fenstern unterscheidet die Polizei zusätzlich: Uneingeschränkt empfehlenswert sind Fenster ab RC 2. Die Klasse RC 1 N kann als Grundsicherung für höher gelegene Fenster dienen, wenn mangels Standfläche eine Aufstiegshilfe nötig wäre und ein Täter also nicht ohne Weiteres herankommt. Für erreichbare Fenster und Türen bleibt RC 2 die Empfehlung.

Kostenlose Beratung bei der Polizei

Vor dem Kauf einzelner Produkte rät die Polizei, sich bei einer (Kriminal-)Polizeilichen Beratungsstelle beraten zu lassen. Diese Beratung ist kostenlos und herstellerneutral. Sie hilft, ein auf die eigene Wohnung oder das eigene Haus abgestimmtes Sicherungskonzept zu entwickeln, statt einzelne Teile zusammenzukaufen, die nicht zueinander passen. Über die Beratungsstellen lassen sich auch Fachbetriebe aus dem Errichterverzeichnis finden, welche die Nachrüstung ausführen.

Staatliche Förderung

Maßnahmen gegen Einbruch werden über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert. Nach Angabe der Polizei sind Einzelmaßnahmen zum Schutz gegen Wohnungseinbruch über das Programm Altersgerecht Umbauen als Kreditvariante mit der Programmnummer 159 verfügbar. Der frühere Investitionszuschuss Einbruchschutz mit der Nummer 455-E stand zuletzt mangels Haushaltsmitteln nicht zur Verfügung; bereits bewilligte Anträge werden weiter ausgezahlt. Ob und in welcher Form Zuschüsse oder Kredite abrufbar sind, hängt von der Haushaltslage ab und ändert sich. Wer eine Förderung einplant, sollte den Antrag vor Beginn der Arbeiten stellen und die aktuellen Bedingungen bei der KfW prüfen.

In welcher Reihenfolge nachrüsten

Ein sinnvolles Vorgehen folgt der Logik der Polizei: zuerst die Schwachstellen der Wohnung oder des Hauses bestimmen, dann die Bauteile der Tür aufeinander abgestimmt verstärken, erst danach über elektronische Ergänzungen nachdenken. Schloss, Zylinder und Beschlag gehören dabei gemeinsam betrachtet, weil ein starker Zylinder hinter einem ungeschützten Beschlag angreifbar bleibt und ein Schutzbeschlag ohne passenden Zylinder nur halben Schutz bietet. Wer eine ältere Wohnungstür hat, erreicht mit einem fachgerecht angebrachten Querriegelschloss und einem gesicherten Zylinder meist schon ein höheres Schutzniveau, ohne die Tür auszutauschen.

Quellen

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